KW 22/2017 – Die Zahnradbahn Stresa – Mottarone

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Kurz vor der Urlaubszeit blicken wir nach Italien. Um den schönen Lago Maggiore (den „größten“ See) und seine Inseln (besonders bekannt die „Isola Bella“) im Überblick zu bewundern, konnte man von 1911 bis 1963 mit einer Zahnradbahn auf den Monte Mottarone (1.491 m) fahren.

Auf Meterspur und Strub’scher Zahnstange überwanden die elektrischen Züge (750 V Gleichspannung) auf 9,89 km Strecke einen Höhenunterschied von knapp 1.200 Metern (von 203 m auf 1.380 m). Von der Bergstation zum Gipfel mussten die Fahrgäste dann die letzten 100 Höhenmeter zu Fuß zurücklegen. Als „Belohnung“ waren von der höchsten Erhebung der Region in alle Richtungen mehrere Seen und weitere bekannte Ausflugsberge zu sehen.

Erster Auslöser für den Bahnbau war die Eröffnung des Simplon-Tunnels im Jahre 1905, der den internationalen Eisenbahnverkehr auch nach Stresa brachte. Daneben setzte sich die örtliche Familie Borromeo für das Projekt ein, um ihren umfangreichen Grundbesitz am Berg touristisch zu erschließen.

Am 12. Juli 1911 fuhr der erste Zug. Anfangs als „Eisenbahn“ konzessioniert, galt der Betrieb ab 1917 zunächst versuchsweise als „Überland-Straßenbahn“. Diesen Status behielt er bis zum Ende am 13. Mai 1963. Von der Talstation am Bahnhof Stresa gab es auch noch eine kurze Stichstrecke zum Schiffsanleger, die über ein Gleisdreieck an das Hauptgleis angebunden war. Auf ihr pendelte anfangs ein Trambahnwagen ohne Zahnradantrieb als Zubringer.

Die fünf vierachsigen Zahnrad-Triebwagen sehen nicht grundlos den bekannten Schweizer Fahrzeugen der Epoche ähnlich, denn sie stammten aus einer Serie von SIG / SLM / Alioth, von der ein Wagen einer anderen Bahngesellschaft beim Museumsbetrieb Blonay – Chamby erhalten ist.

Wie auch anderswo, bewährte sich der Busbetrieb nicht und wurde 1970 durch eine Seilbahn ersetzt.

-gk- / Foto: Sammlung -gk-

KW 21/2017 – Das Zürcher “Cargo-Tram”

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Eine Güterstraßenbahn gibt es aktuell nicht nur in Dresden, sondern auch in Zürich. Bei der transportierten Ladung handelt es sich jedoch um Sperrmüll, der zur Entsorgung und zum Recycling abgefahren wird. Das „Cargo-Tram“ (in der Schweiz sind Straßenbahnen sächlich) verkehrt seit Frühjahr 2003 in einer Kooperation der Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ) mit der ERZ Entsorgung + Recycling Zürich (einer Abteilung der Stadtverwaltung). Nach einem festen Fahrplan fährt die maximal dreiteilige Garnitur jeden Werktag eine von elf Endschleifen oder Zwischenkehren (bzw. Depots) mit Abstellmöglichkeit für den Zug an. Da die Bahn wechselweise Sperrmüll und Elektroschrott (dann als „E-Tram“ – seit 2006) abholt, ergeben sich 22 Einsatztage im Monat.

Das Cargo-Tram ist aus einem Standard-Vierachser vom Typ „Kurbeli“ (Serie 1351-1359 / Bj. 1940ff.)) hervorgegangen. An einer Seite wurde die verjüngte Plattform mit den Türen abgetrennt; als Ergebnis entstand die jetzige, eckige Front. Der Motorwagen zieht bis zu zwei Anhänger, die mit einem Container und einer Müllpresse bestückt sind. An einer Werkbank im Tw können Recycling-Güter bereits vor Ort zur Materialtrennung weiter zerlegt werden.

Der „Clou“ ist aber: Der Sperrmüll wird zwar kostenlos entgegen genommen, er muss aber zu Fuß, mit dem Velo (Fahrrad) oder dem Tram / Bus angeliefert werden – Pkw-Ladungen werden nicht akzeptiert!

-gk- / Foto: -gk- (Mai 2017 am Zürcher Hauptbahnhof / Sihlquai)

KW 17/2017 – Straßenbahn auf Abwegen

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Das ist kein Aprilscherz und auch keine fehlkonstruierte U-Bahn – Arnt-Ulrich Mann hat hier den Lehrwagen Tw 128 der Wuppertaler Stadtwerke auf dem Weg in die Kohlfurth begleitet, die Aufnahme entstand am 27. März 1972 im Elberfelder Kiesbergtunnel.

Mit Baujahr 1919 handelt es sich um eins der ältesten Fahrzeuge im Bestand der Bergischen Museumsbahnen. Bei der MAN ursprünglich von der Augsburger Straßenbahn bestellt, verstärkte der fertige Triebwagen den Bestand der Bergischen Kleinbahnen in Elberfeld. Anfang der 50er Jahre wurde das Fahrzeug zum „Lehrwagen“ umgebaut und wurde dafür mit allerlei Vorrichtungen ausgestattet, um die Fahrschüler auf die Probe zu stellen.

Im Gegensatz zu seinem Schicksalsgenossen Tw 93, der ebenfalls via Augsburg ins Tal der Wupper kam, erhielt er aber nicht die mehrfach geknickte Front, die für die älteren Wuppertaler Straßenbahnen so typisch war.

Foto: Arnt-Ulrich Mann, Archiv Wolfgang R. Reimann

KW 08/2017 – Die Lebensader unserer Straßenbahnen

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Dieses Bild soll daran erinnern, dass uns Buntmetalldiebe im Herbst / Winter 2015 böse mitgespielt haben. Durch technische Probleme des Zweiwege-Turmwagens dauerte es dann noch bis Ende April 2016, bis die ersten Bahnen wieder elektrisch verkehren konnten.

Der noch frische Kupferdraht präsentiert sich hier in glänzendem Rot-Ton, aber in gar nicht so langer Zeit wird ihn Grünspan einfärben und unauffällig in die Umgebung unserer Waldstrecke integrieren.

-gk- / Foto: Michael Malicke