November 2021 – Die Gelenk-Straßenbahnen in Duisburg

Guido Korff Buch des Monats ENTWURF

Wolfgang Nyga / Winfried Roth
Die Gelenk-Straßenbahnen in Duisburg
Ein Portrait der zahlreichen Fahrzeugtypen von 1926 bis heute

Eigenverlag Wolfgang Nyga, 2021
244 Seiten, Format 22 x 28,5 cm, Hardcover, gebunden, ca. 700 überwiegend farbige Abbildungen;
ISBN 978-3-00-070519-9

Im BMB-Vertrieb erhältlich für 39,90 €

Um es gleich vorweg zu sagen: Ein Lesebuch für ruhige Abende ist das vorliegende Buch wohl nicht; eher kann man es als „Kompendium“ bezeichnen, das zu den Gelenkwagen in Duisburg kaum eine Frage unbeantwortet lässt.

Auch wenn es sich bewusst nicht um eine Betriebsgeschichte handelt, werden dennoch ergänzend viele Aspekte (z. B. Netzpläne, Betriebshöfe etc.) kompakt dargestellt, die für die Entwicklung des Gelenkwagen-Bestands eine Rolle gespielt haben.

Wer den Duisburger Betrieb in den 60er oder 70er Jahren noch selber kennengelernt hat, kann bestätigen, welche ungewöhnlichen Konstruktionen den Besucher dort immer wieder überrascht haben. Die beiden sog. „Harkort-Wagen“ von 1926 waren da schon hinlänglich bekannt und kündeten von einer frühzeitigen Innovationsbereitschaft der Duisburger Verkehrsgesellschaft. Als nach dem Krieg dann das verfügbare Geld in der Umspurung der meterspurigen Teilbetriebe besser angelegt schien als im Kauf neuer Straßenbahnwagen, kam diese Experimentierfreude wieder ans Licht.

So entstanden zweiteilige Sattelgelenkwagen und Dreiteiler mit schwebenden Mittelteilen, wie sie auch andernorts anzutreffen waren, aber solche Dreiteiler als Beiwagen auf der Grundlage von zwei KSW-Fahrzeugen waren schon einzigartig in Deutschland. Das Gleiche gilt für die Verbindung von Motorwagen aus den 1920er Jahren mit relativ modernen Aufbau-Beiwagen.

Man kann aber das eine tun, ohne das andere zu lassen. In kleiner Stückzahl wurden zur gleichen Zeit auch schon die ersten vierachsigen Düwag-Großraumwagen beschafft, vor denen die „Umbauwut“ keineswegs Halt machte. Das begann mit der Verlängerung zu Sechs- und Achtachsern, ging aber noch einen Schritt weiter zur zeitweiligen Schaffung von Zehnachsern, weil man vorübergehend nicht benötigte Mittelteile nicht ungenutzt im Betriebshof herumstehen lassen wollte. Der Zehnachser 1231 mit der Pop-Lackierung für das Waschmittel „korall“ wurde damals unter den Fans zur Legende!

Hinzu kommt die Duisburger Spezialität des „Anderthalbrichters“, der zwar grundlegend als Einrichtungswagen konzipiert war, aber für Notfälle auch auf der linken Seite einige Türen aufwies. Alle Wagen waren nach diesem Konzept ausgestattet. Bei der Umrüstung auf Einmannbetrieb wurde diese Türen teilweise wieder ausgebaut, was zu bisweilen seltsamen Fensterfolgen führte.

Mit dem Dienstantritt der Gelenkwagen vom Typ „Mannheim“ wurde es etwas „ruhiger“ in der Werkstatt, die vor Ort scherzhaft auch als „Waggonfabrik Grunewald“ bezeichnet wurde. So wurde bei diesen Lieferungen zumindest auf die linksseitigen Türen verzichtet. Der Typ „Mannheim“ und die danach folgende „eckige“ Wagengeneration werden im Buch aber ebenso umfassend beschrieben wie auch die B-Wagen für die Linie D nach Düsseldorf. Selbst die neueste Generation der Flexity-Niederflurwagen und HF6 als B-Wagen-Nachfolger haben es ins Buch geschafft – natürlich noch ohne Umbauten!

Die Autoren dokumentieren alle Eigen-Kreationen sehr detailliert und bebildern auch die Varianten und späteren Umbauten. Sogar die Pop-Lackierungen werden nahezu vollständig mit Fotos dokumentiert.

Dies führt aber auch zu einer gewissen Schwäche des Buchs. Trotz großen Formats und über 200 Seiten Umfang führt die schiere Masse der Bilder zu einer meist kleinen Wiedergabe, außerdem werden im Interesse der Vollständigkeit teilweise auch qualitativ weniger geeignete Motive verwendet. Angesichts der Intention des Buches erscheint dies aber akzeptabel.

Als großes Plus sind auf jeden Fall die zahlreichen farbigen Wagen-Zeichnungen vieler Umbauzustände zu nennen, die stark zum Verständnis des Texts beitragen.

Fazit: Insgesamt ist mit dem vorliegenden Band ein Nachschlagewerk entstanden, dass dem (modernen) Wagenpark eines überaus kreativen Verkehrsbetriebs ein schönes Denkmal setzt. Die Gelenk-Straßenbahnen in Duisburg haben es verdient!
-gk-