Am 14. November 2015 wurde das erste Fahrzeug der neuen Schwebebahngeneration in Wuppertal-Vohwinkel angeliefert. Die Wagenkästen und Drehgestelle wurden zuvor im Werk von Vossloh Rail Vehicles in Valencia (heute Stadler) montiert. Die beiden nagelneuen Lkw, die der beauftragte Spediteur extra für den Transport aller Schwebebahnen angeschafft hatte, mit dem A-Teil und den vier Drehgestellen hatten auf ihrem Weg nach Wuppertal einen zweitägigen Zwischenhalt im Werk von Vossloh Kiepe (heute Kiepe Electric) in Düsseldorf-Hassels eingelegt, so dass es für diese 2 Tage auch in Düsseldorf mal eine Schwebebahn gab!
Dieser Zwischenhalt war zum Einen als Puffer für eventuelle Verzögerungen beim Transport und zum Anderen für Vorbereitungen für das in Vorwinkel geplante Willkommensfest vorgesehen. Auch bestand die Befürchtung, dass bei der Abstellung an einem nicht bewachten Parkplatz sich „Grafitti-Künstler” über die Bahn hermachen könnten. Daher wurden die beiden Lkw auf dem Kiepe-Werksgelände zwischen 2 Hochregallagern „versteckt“ und zusätzlich die Wachmannschaft bei Kiepe verstärkt.
Die Ankunft am 14. November 2015 in Wuppertal wurde von den WSW mit einem kleinen Willkommensfest und einer öffentlichen Präsentation der ersten Fahrzeugteile gefeiert. Auf den zwei sonnengelben Megatrailern kamen der Vorderwagen A und die vier Drehgestelle eskortiert von zwei Polizeimotorrädern und einem Sprinter der WSW-Verkehrsaufsicht gegen 11.15 Uhr vom Sonnborner Kreuz her die Kaiserstraße hinauf gefahren. Eine Stunde zuvor hatten sich die Lkw von Düsseldorf-Hassels aus auf den Weg nach Wuppertal gemacht mit Zwischenstopps auf dem Parkplatz der A46 nahe Haan und unter dem Schwebebahnhof Hammerstein, wo die Polizeimotorräder dazu stießen. Die Seitenwände des Aufliegers mit dem A-Teil waren mit vollflächigen Folien beklebt, auf denen die neue Schwebebahn abgebildet war. Dazu stand in großen Buchstaben quer über die Plane: „Hallo Wuppertal! Jetzt bin ich da!“.
Auf der abgesperrten Vohwinkeler Straße zwischen Kaiserplatz und der Schwebebahn-Endstation wurde dem kleinen Konvoi ein begeisterter Empfang geboten. Von einer Trommelgruppe angeführt positionierten sich die beiden Lkw auf ihren vorbereiteten Stellplätzen. Für den Lkw mit dem Wagenkasten waren beidseitig Tribünen aufgebaut worden, von denen aus zunächst die Reden gehalten wurden und über die anschließend die Besucher das Fahrzeug besichtigen konnten. Auf der „Festmeile“ waren Stände der WSW, des Herstellers Vossloh Kiepe und anderer beteiligter Unternehmen, des Modellherstellers Herpa und weitere Souvenirstände aufgebaut. Auf der Straße und im angrenzenden Stationsgarten hatten sich an diesem Samstagmorgen ca. 5.000 Menschen eingefunden, die sich dieses denkwürdige Ereignis nicht entgehen lassen wollten. Immerhin handelte es sich um die Präsentation des ersten neuen Schwebebahnfahrzeugs nach mehr als 40 Jahren. Am 22. April 1975 war der letzte Wagen der seinerzeit aktuellen Generation, Tw 28, geliefert worden. Seit der Ankunft des ersten Fahrzeugs der GTW72 waren sogar 43 Jahre vergangen, der aktuelle Tw 1 wurde am 13. Juli 1972 geliefert!
Gegen 11.25 Uhr begann die offizielle Begrüßung des neuen Fahrzeugs – noch vor den geschlossenen Planen des Lkw – durch den WSW-Vorstandsvorsitzenden Andreas Feicht, Wuppertals neuen OB Andreas Mucke und den WSW-Aufsichtsratsvorsitzenden und Landtagsabgeordneten Dietmar Bell. Alle betonten in ihren kurzen Reden die hervorragende Bedeutung der Schwebebahn für Wuppertal, sowohl als alltägliches und unverzichtbares Verkehrsmittel, als auch als Sympathieträger und Wahrzeichen und zeigten sich überglücklich, dass das neue Fahrzeug nun endlich da sei „Die Schwebebahn ist Wuppertal und Wuppertal ist die Schwebebahn.“ sagte OB Mucke. Die neuen Fahrzeuge seien das Ausrufezeichen hinter der mehr als 20 Jahre dauernden Gesamtmodernisierung der Schwebebahn. Dem Hersteller wurde gedankt, dass er sich in Zeiten industrieller Serienfertigung dieser Kleinserie eines Unikats angenommen habe. Nach den Reden wurden unter Trommelwirbel die Planen zur Seite geschoben und die Wuppertaler konnten sich ein erstes eigenes Bild von dem Fahrzeug der neuen „Generation 15“ oder kurz „G15“, wie sie nun von den WSW genannt wird, machen, deren Erscheinungsbild das Stadtbild und alle damit verbundenen Souvenirs für die nächsten Jahrzehnte prägen wird.
Die Reaktionen vor Ort waren fast ausschließlich positiv und begeistert. Das hellblaue Fahrzeug mit seinem durchgezogenen dunklen Fensterband und der vollverglasten Front kommt sehr gut an. Der helle Innenraum mit weißen Decken und Wänden sowie hellgrünem Fußboden (dieser wird in den ersten elf Fahrzeugen verbaut, danach folgen Varianten in gelb und dunkelrot), dazu die Holzsitzschalen mit Polsterpads, in denen sich die Bodenfarbe erneut wiederfindet, fand ebenfalls bereits viel Zuspruch. Das auffälligste Merkmal der neuen dunklen Fahrgestelle sind die silberfarben ausgeführten Traktionsmotoren und Getriebegehäuse. Ein weiteres Highlight wird das große Panoramafenster am Heck. Insgesamt entspricht das Fahrzeug in fast allen Details den Entwürfen der Designer von büro+staubach, die nach einer separaten Ausschreibung mit der Gestaltung des Fahrzeugs beauftragt worden waren.
Zweimal im Laufe der Präsentation wurde ein Treffen der drei jetzt vorhandenen Schwebebahngenerationen inszeniert. Der Kaiserwagen hielt um 13 und um 15 Uhr jeweils über dem Lkw mit dem neuen Triebwagen 01. Dazu blieb um 13 Uhr und um 15 Uhr auch ein Triebwagen der aktuellen Generation auf dem Gleis Richtung Endstation Vohwinkel über der Straße stehen und bot Gelegenheit für Fotos des einmaligen Treffens der drei Fahrzeugtypen auf freier Strecke.
Nach Ende der Veranstaltung um 16.00 Uhr rangierten die beiden Lkw in die Schwebebahnwerkstatt, wo am 16. November der Aufhänge- und Endmontagevorgang startete. Die Fahrzeuge können immer nur in Einzelteilen angeliefert werden, da die Luke zwischen der Werkstatt im Erdgeschoss und der Wagenhalle im Obergeschoss nur die Größe eines Einzelwagens hat. So müssen Vorder-, Mittel- und Heckteil jeweils separat per Kran hoch gehoben und eingegleist werden. Zunächst wurden also die beiden vorderen Drehgestelle auf Wagen A montiert und dieser heraufgezogen. Die Wagenteile B und C sowie die Faltenbälge der Gelenkübergänge trafen einen Tag später in Vohwinkel ein und am 21. November zeigte sich der neue Wagen erstmals vollständig montiert außerhalb der Wagenhalle.
Auf dem Bild der Woche ist der Wagenteil A des Schwebebahnwagens 01 auf dem Zwischenstopp bei Vossloh Kiepe zu sehen, „versteckt“ zwischen 2 Hochregallagern.
Text: Rolf Hafke und Carsten Kossow / Foto: Carsten Kossow

