KW09/2026 – Wuppertal: Zum 50. Geburtstag eine Ausstellung

Guido KorffBild der Woche

Nur wenige Jahre nach Kriegsende würdigten die Wuppertaler Stadtwerke den 50. Geburtstag der Schwebebahn mit einer opulenten Ausstellung: Vom 01. bis zum 11. März 1951 gab es an der Ohligsmühle in Elberfeld eine Leistungsschau von Bus und Bahn.

Eine 80 Meter lange und 16 Meter breite Halle wurde dazu am Wupperufer errichtet. Die Ausstellung “Nahverkehr Rhein – Wupper – Ruhr” zog tausende Besucher an. Bereits am 19. Februar 1951 erreichten die ersten Fahrzeuge das Gelände. Direkt vom Hersteller Westwaggon aus Köln kam der fabrikneue Schwebebahnwagen 63. Dazu gesellten sich Wagen 2 (Baujahr 1900) und Wagen 46 (Baujahr 1903). Großfotos zeigten den Erfinder Eugen Langen und den Verbrauch an Eisen, Kleineisen und Farbe für die Schwebebahn. Als Modelle waren zu sehen: die zweischienige Schwebebahn, die einschienige Schwebebahn, das Projekt einer Wüstenbahn, Projekte für Städte-Schnell-Bahnen und ein Modell des neuesten Waggontyps von 1950.

Die Besucher trafen im Innern des Festzeltes den WSW-Ausstellungsstand mit einer Fläche von 126 qm. Beidseitig begehbar erfuhr man viel über das Strecken- und Liniennetz sowie künftige Vorhaben. Weitere Modelle waren ein Trambus mit Fahrgastfluss, ein Obus sowie je ein Vierachser und Dreiachser der Straßenbahn als Einrichtungsfahrzeug. Die Werkstätten zeigten eine Anzahl von Fahrschaltern und Zahlen vom jährlichen Verbrauch an Radreifen und Bremssand. Auch die Versorgungsbetriebe hatten Infostände.

Das Freigelände neben der Industrie- und Handelskammer war mit Trümmerkies geebnet worden. Mittig stand eine Normaluhr und drum herum eine Fahrzeugschau, die angesichts der Nachkriegsnot unerhört riesig erschien. Aber man wollte zeigen was man wieder hatte! Die drei Schwebebahnen wurden eingangs bereits genannt. Auf eingeschotterten Gleisen waren folgende Schienenfahrzeuge zu finden: Von der Normalspur die Triebwagen 267, 259 sowie der geschlossene Pferdebahnwagen 10 und der Pferdebahn-Sommerwagen 152. Von der Meterspur wurden präsentiert: der nach seinem schweren Unfall von der Buswerkstatt Schönebeck neuaufgebaute Triebwagen 158 und der ziemlich neue Kriegsstraßenbahnwagen 905. Der Wagenkasten von Bergbahnwagen 7 stand neben seinem Fahrgestell und ermöglichte so einen guten Blick auf die Antriebstechnik. Vom Güterbetrieb waren die E-Lok 604 (AEG-Typ “Lethmathe” wie die Hagener E-Lok der BMB), ein Rollwagen und der zweiachsige Güterwagen 729 (Baujahr 1894! heute BMB) vor Ort, außerdem mit dabei der selbst gebaute neue Turmwagen 628 (heute BMB) sowie der Straßenturmwagen 184.

Für den Busbetrieb wählten die WSW den Büssing Trambus 56 mit Anhänger 11 aus. Zusätzlich wurde der neue Trambus 70 mit Unterflurmotor und Fahrgastfluss gezeigt. Viel Interesse fand das aufgebockte Fahrgestell von einem Obus, das dank einer 48 Volt-Batterie selber „gefahren“ werde konnte. Interessierte Besucher legten so damit 56 Kilometer zurück!

Im Freigelände gab es aber noch viel mehr. Ob eine neue Gleiskreuzung, Radsätze mit Gummifederung, ein neuer Omnibuszug der Stadt Hannover, ein Schienenbus und ein Bahnbus der Deutschen Bundesbahn oder ein Reisebus der Solinger Straßenbahnen – es gab viel zu Bestaunen.

Mehr als 20.000 Besucher kamen zu dieser Leistungsschau und zahlten 75 Pfennige Eintritt. Das damalige Resümee der WSW-Verantwortlichen: „Die Ausstellung hatte  einen guten und starken Widerhall im Wuppertaler Publikum gefunden. Mit großem Interesse wurden die ausgestellten Fahrzeuge besichtigt und die zur Erklärung eingesetzten Männer hatten Mühe, alle Frage der wissbegierigen Besucher zu beantworten.”

Text: Michael Malicke / Foto: Wuppertaler Stadtwerke AG