Dezember 2021 – Die Fahrzeuge der Berliner Straßenbahn Bauart 1927

Guido Korff Buch des Monats

Florian Schwuttke / Norbert Walter
Die Fahrzeuge der Berliner Straßenbahn Bauart 1927

LOK Report – Lokomotive Fachbuchhandlung GmbH, 2021
152 Seiten, Format 17 x 24,5 cm, Hardcover, gebunden, ca. 300 schwarzweiße und farbige Fotos und Zeichnungen;
ISBN 978-3-935909-61-7

Im BMB-Vertrieb erhältlich für 26,80 €

Unter dem Imprint LOK Report sind in letzter Zeit bereits einige Publikationen erschienen, die sich mit den Berliner Straßenbahnen beschäftigen. Ging es darin vor allem um die Dokumentation von Linienverläufen, so dokumentiert der neueste Band die Entwicklungsgeschichte einer Fahrzeug-Serie. Gemeint sind die markanten Mitteleinstiegswagen, die auf Vorbilder in Paris zurückgehen.

Mit der „Bauart 27“ – besser bekannt als „Verbundzüge“ – greifen die Autoren einen Triebwagen-Typ (Beiwagen gab es dazu keine) auf, der wie kein anderer für die Berliner Straßenbahn steht. Zu diesem Ruf haben die große gebaute Stückzahl – über 300 Stück – ebenso beigetragen wie die ungewöhnlichen Folgen einer „Fehlkonstruktion“.

Zu einer Zeit, als Niederspannungsanlagen in Straßenbahnwagen noch weitgehend unbekannt waren, brachte die Auslegung der wichtigsten Bremse als „Frischstrombremse“ das Risiko mit sich, dass bei Stangenentgleisungen die Fahrzeuge unbeherrschbar wurden. Zahlreiche Unfälle führten in der Folge zur zeitweiligen Stillsetzung der gesamten Serie.

Die Autoren beschreiben die notwendigen Umbauarbeiten, ohne den weniger technikinteressierten Leser mit zu vielen Details zu langweilen. Sie legen damit die Grundlage für das Verständnis der diversen Typ-Varianten (z. B. TM 27, TM 33, TM 34 und TM 36), die in der Folge entstanden sind. Dabei bildeten die Wagen der Reihen TM 33 und TM 36 den Pool für die Verbundzüge. Erkennbar sind sie an den dicken Verbindungskabeln an den Wagenfronten, die bei der Kopplung von zwei Wagen den Stark- und Steuerstrom übertragen.

Mit der Reihe TM 34 entstanden aber auch Fahrzeuge, die einzeln eingesetzt werden sollten. Folglich wirken ihre Fronten ohne die Verbindungskabel nahezu „nackt“. Hinzu kamen zahllose Umbauten über die lange Einsatzzeit, die vor allem in der DDR den eingeschränkten Möglichkeiten geschuldet waren, Neubaufahrzeuge zu beschaffen. Die umfangreiche Bebilderung zeichnet die Laufbahn der Fahrzeuge in Ost und West nach.

Die Geschichte endet aber nicht mit den Ausmusterungen in Berlin, vielmehr haben diverse Fahrzeuge nach ihrer aktiven Laufbahn zunächst neue Eigentümer (u. a. in Hamburg, Amsterdam oder den USA) gefunden, die aber nicht alle eine nachhaltige Konservierung sicherstellen konnten. Deshalb existieren heute mehrere Wagen, deren elektrische Ausrüstung für Restaurierungen an anderer Stelle geplündert wurde. Andere fristen ein nahezu vergessenes Dasein im hintersten Winkel einer Wagenhalle. Ein einsatzfähiger „Verbundzug“ ist heute leider nicht mehr verfügbar.

Erfreulicherweise kann man in Berlin trotzdem noch das „Feeling“ einer Fahrt in einem Mitteleinstiegswagen der „Bauart 1927“ erleben. Tw 3802 des Typs TM 34 gehört als Einzelwagen zum aktiven Museumsbestand.

Die „Bauart 1927“ ist im Rückblick vor allem die Wagenreihe, die die letzten Jahre der Straßenbahn in West-Berlin geprägt hat. Sie erscheint auf zahllosen Fotos, auch deshalb stehen die Mitteleinstiegswagen für die „alte“ Tram in der Zeit der geteilten Hauptstadt.

Fazit: Das vorliegende Buch behandelt einen Fahrzeug-Typ, der über Berlin hinaus viele Fans gefunden hat. Wer die „Bauart 1927“ mag, sollte sich dieses Buch unbedingt zulegen.
-gk-