KW34/2026 – Wuppertal: Die rote Bahn nach Cronenberg

Guido KorffBild der Woche

Die heute in Wuppertal unter dem Namen “Samba-Express” legendäre Bahnverbindung verkehrte als Nebenbahn seit 1891 wildromantisch durch das Burgholz und verband Elberfeld mit dem Cronenberger Bahnhof auf den Wuppertaler Südhöhen. Seit den 50er Jahren brummelten die roten Schienenbusse zuverlässig bei jeder Witterung über die Gleise und die hin- und her wogenden Wagen bekamen in den fünfziger Jahren mit Blick auf südamerikanische Rhythmen den Namen „Samba-Express“ verpasst. Rot waren allerdings auch schon die Vorgänger der frühen Nachkriegsjahre: Dieselloks der Baureihe V 36 und vierachsige Steuerwagen älterer Triebwagen-Baureihen.

Mitte der 80er Jahre ist es mit der alten Herrlichkeit dann überraschend schnell vorbei. Rückläufige Fahrgastzahlen und auch ein Desinteresse bei den Bahnoberen in Köln am Rhein  bringen erste Stilllegungspläne auf den Tisch. Ein Proteststurm erhebt sich. Die Bildhauerin Ulle Hees startet die Aktion „Wuppertaler Künstler für den Samba“ mit Aktionen an den Haltepunkten und in den Zügen. Die Bürgerinitiative „Rettet den Samba!“ sammelt 22.000 Unterschriften.

Am 20. Februar 1988 legt die Initiative ein Geheimpapier der Bahndirektion vor, in dem für den 29. Mai 1988 die Einstellung der Bahnverbindung wegen technischen Gründen empfohlen wird. Investitionen von 700.000 DM wären erforderlich. Die Bahnfreunde verweisen auf bereits zum Austausch ausgelegte neue Schienen entlang der Strecke. Die erste Runde geht wegen der besseren Argumente an die Sambafans. Doch am Montag, den 22. Februar 1988 sackt ein Stück des Berghanges samt des Gleises zwischen der Steinbeck und der Hindenburgstraße auf der Länge von 15 Metern ein. Um 12.30 Uhr stellt die Bahn die Sambasignale auf Rot. Tags daraus kommt ein spezieller Gleismesszug ins Tal und um Punkt 9 Uhr 14 tritt er die Rückreise vom  Bahnhof Cronenberg an, nachdem eine Kolonne provisorisch den Hangrutsch gesichert hat. Das Ergebnis: an einigen Stellen wird das Spurmaß überschritten – die Stilllegung ist endgültig. Fast endgültig. Denn am Freitag, den 26. Februar 1988 dröhnt ein letztes Mal ein kräftiger Dieselmotor durch das Burgholz. Die Bundesbahn sammelt die Güterwagen ein, die in Küllenhahn und Cronenberg von der Streckenschließung überrascht worden waren und zurück auf das Streckennetz der DB gebracht werden müssen.

Doch die Wuppertaler hängen an ihren Schienenstrecken. Was den Barmern die Bergbahn, ist den Cronenbergern ihr Samba. Im Zuge der “Regionale 2006” kann fast die gesamte Trasse in einen Wander- und Radweg umgewandelt werden, der heute noch sehr gerne genutzt wird. Ein besonderes Zeichen setzt die bekannte Werkzeugfirma Knipex, die direkt neben ihren Fertigungshallen an der Trasse einen schön restaurierten Triebwagen der Baureihe VT 95 und ein zweiflügeliges Hauptsignal aufstellt. Das Fahrzeug wurde von der Hochwaldbahn im Hunsrück erworben und trägt deshalb in den Anschriften den Hinweis “AW Hermeskeil”.

Während die Ronsdorfer seit der Stilllegung der Zahnradbahn nicht mehr auf Meterspur reisen können, sondern auf die Normalspur verwiesen werden (und dort seit neuestem mit dem batterieelektrischen Mireo von Siemens auch wieder elektrisch fahren können), ist es bei den Cronenbergern umgekehrt. Hier hat die meterspurige Anbindung überlebt – in Form unserer Museumsbahn. Und die arbeitet jetzt auch  wieder aktiv daran, dem “Dorp” endlich näherzukommen, die Planung der Haltestelle Möschenborn macht gute Fortschritte!

Text & Foto: Michael Malicke