Die Straße “Am Clef” liegt in Wuppertal-Barmen nicht weit vom bekannten Verkehrsknoten am Alten Markt. Obgleich die Schwebebahn die Straße links liegen lässt (sie fährt hinter den links sichtbaren Gebäuden vorbei), begegnen sich auch hier einige eher seltene Verkehrsmittel. Der jungen Dame im Vordergrund sind diese Besonderheiten aber scheinbar egal, sie schaut lieber zur Fotografin.
Freunden des Schienenverkehrs zeigt das Motiv aus den frühen fünfziger Jahren nicht nur zwei Zahnradbahnen der Wuppertaler Stadtwerke AG, sondern auch einen Nahverkehrszug, der eine Wuppertaler “Spezialität” war. Der rechte Zahnradbahnwagen gehört zur Serie 1 – 8 und verkehrt noch weitgehend im ursprünglichen Zustand von 1893. Mit seinen offenen Plattformen (bei den Straßenbahnen damals längst schon durch Verglasungen geschlossen) wirkt er deutlich aus der Zeit gefallen. Der mangelnde politische Wille, in die Zahnradbahn zu investieren, wird hier bereits sichtbar – ihr frühes Ende ist bekannt.
Dagegen wurde das Schwesterfahrzeug Tw 5 (links) 1939 mit geschlossenen Plattformen modernisiert, die Personal und Fahrgäste vor der Witterung schützten. Die kleinen Seitenfenster lassen aber erkennen, dass der Hauptteil des Wagenkastens noch aus 1893 stammt, wenngleich der Ersatz der außenliegenden Trittbretter durch einen Mittelgang dem Schaffner die Arbeit erleichterte. Tw 5 blieb außerdem der einzige seiner Art, sieht man von Tw 6 ab, der nach der Kriegszerstörung seines Aufbaus mit dem Kasten eines Straßenbahnwagens (Tw 214) wiederhergestellt wurde.
Dem genauen Betrachter stellen sch zwei Fragen: Warum weisen die Lyrabügel beider Wagen talwärts, der rechte Wagen ist zudem unbesetzt? Es gibt Bilder von Tw 5 mit Scherenstromabnehrer, warum trägt er hier wieder zwei Lyrabügel?
Der Blick der Eisenbahnfreunde wird sicher zuerst von der Dampflok der Baureihe 03.10 angezogen, die ihren Schnell- oder Eilzug ostwärts Richtung Hagen zieht. Offensichtlich hat sie ihren Zug aus dem Bahnhof Barmen heraus schon ordentlich beschleunigt, so dass sie die Bergbahnwagen auf ihrer Brücke zur Talstation nicht mehr einnebelt. Die mächtige Maschine passt nur knapp unter die Brücke, die deshalb als wichtigster Einstellungsgrund der Zahnradbahn gilt: Sie ist der anstehenden Elektrifizierung (Mitte der 60er Jahre erfolgt) im Weg!
Auf den ersten Blick unscheinbar, aber doch bemerkenswert ist dagegen der rechte Zug. Er kommt der Fotografin entgegen, denn er fährt auf dem westwärts gerichteten der beiden “Lokalgleise” auf der rechten Seite des Bahnkörpers, während die Dampflok eines der beiden “Ferngleise” benutzt. Es handelt sich um einen frühen Wendezug aus Ci-Wagen, dessen Dreilicht-Spitzensignal auf dem Bild klar erkennbar ist. Nach den Pionierleistungen der Lübeck-Büchener-Eisenbahn für den Wendezugbetrieb mit Dampflokomotiven unternahm die Deutsche Bundesbahn schon kurz nach dem Zweiten Weltkrieg eigene Versuche. Im Bergischen Land setzte sie Dieselloks der Baureihe V36 zusammen mit vierachsigen Triebwagen-Steuerwagen auf der späteren “Samba-Strecke” von Elberfeld nach Cronenberg ein. Die Einsparungen wußten zu überzeugen, und so kreierte die DB nach dem Vorbild des “Ruhr-Schnellverkehrs” einen dichten Pendeldienst von Vohwinkel nach Schwelm bzw. Gevelsberg-West. Diese Garnituren aus V36 und zumeist drei Donnerbüchsen verkehrten unter dem Titel “Wupper-Schnellverkehr”. Zum Einsatz kam dabei später jeweils ein Wagen, der als Gattung Cif über einen Führerstand verfügte. Mit diesen “Steuerwagen” wurden die Umsetzzeiten an den Endbahnhöfen deutlich reduziert.. Um das neue “Produkt” besonders hervorzuheben, erhielten die Donnerbüchsen zudem den weinroten Anstrich der Bundesbahn-Dieselloks.
Der große Erfolg verlangte auf der Wuppertaler Hauptsrecke aber bald längere Züge, denen die V36 nicht gewachsen war. Dampfloks der Baureihen 64 und später 78 lösten die Dieselloks ab, die sich dann auf anderen Streckern im Bergischen Land und sogar im benachbarten “Ausland” (Raum Köln) nützlich machten.
Text: -gk- / Foto: Doris Hannig (Sammlung Jürgen Eidam)

