Für neue Auszubildende, damals noch “Lehrlinge” genannt, bestand die erste Aufgabe sprichwörtlich oft darin, die Werkstatt zu fegen. Für angehende Straßenbahn- und Busfahrer der Wuppertaler Stadtwerke stand dagegen zuerst das Verkaufen von Fahrscheinen auf dem Plan.
2026 wird das 125-jährige Bestehen der Schwebebahn gefeiert und die Deutsche Post hat aus diesem Anlass eine Sonderbriefmarke herausgegeben, die die Station Robert-Daum-Platz (ursprünglich hieß sie Breitestraße, ab 1929 dann Tannenbergstraße) im Zustand nach der Betriebsaufnahme und in der Gegenwart zeigt. Vor dem Ausbau der Schwebebahn besaßen viele Stationen auch Fahrkartenschalter und angeschlossene Betriebsräume, die teilweise den Gerüstarbeitern als Pausenräumen dienten. Den meisten Fahrgästen waren allerdings nur die Aufgänge und Bahnsteigbereiche zugänglich. Deshalb geht unser Blick einmal hinter die Kulissen des Ticketschalters Robert-Daum-Platz, wie er sich im Jahr 1980 präsentierte.
Die Station besaß zwei Schalter, von denen damals aber nur noch einer benutzt wurde. Auf dem Foto kann man durch die Scheibe den Treppenaufgang zum Bahnsteig in Richtung Oberbarmen erkennen. Wie es sich für einen Fahrkartenschalter gehörte, besaß er einen Drehteller zur Ausgabe der Tickets und ein Sprechfenster. Rechts und links vom Drehteller waren die Halterungen für die beiden ALMEX-Fahrscheindrucker montiert. Aus dem rechten Drucker wurden über eine Papierrolle Einzeltickets und in dem linken Drucker wurden vorgedruckte Pappkarten (Wertmarken für Zeitkarten) mit Tarifangaben und Preis bedruckt. Weniger deutlich erkennbar liegt rechts vom Drehteller die Kladde mit den 4erTicket-Blöcken. In der Schublade konnten Geldscheine abgelegt werden und der Geldwechsler lugt links hinter dem Windschutz hervor.
Die Schalter hatten ein Betriebstelefon, mit der betriebsinterne Gespräche geführt werden konnte. Zum Betriebsbeginn telefonierte die Leitstelle alle damals noch besetzten Schalter ab und vergewisserte sich somit, ob die Rolltore der Station geöffnet waren, denn das war Aufgabe des Fahrkartenverkäufers. Hatte er sich verschlafen, konnten ankommende Fahrgäste die Station nicht verlassen und abfahrende Kunden erreichten den Bahnsteig nicht. Meldete sich der Verkäufer nicht, fuhr ein Funkwagen der Betriebsaufsicht zum Bahnhof und öffnete die Tore.
Bei einem Stromausfall schaltete sich das batteriebetriebene Notlicht in dem schwarzen Kasten an der Wand automatisch an. Gab es eine längere Betriebsstörung, telefonierte der Leitstand die Stationen ab und das unten an die Wand gelehnte Schild kam zum Einsatz (Betriebsstörung – Bitte Ersatzverkehr – Straßenbahn oder Bus – benutzen). Dann wurde ein in dem Schalterraum befindlicher zweiter Stuhl auf der Verteilerebene vor den Schalter gestellt und obendrauf das Störungsschild. Das Ende der Störung konnte man an den Fahrgeräuschen der wieder verkehrenden Bahnen erkennen.
Ansonsten hatte die Station eine Gasheizung (Modell“ Seppelfricke“) und eine Toilette. Donnerstagmorgen musste die Mülltonne vom Frühdienst aus dem Schalterraum zur Straße vor der Station gebracht und vom Mitteldienst nach der Leerung wieder hereingeholt werden.
Das Personal für die damals noch reichlich vorhandenen Schalter und Verkaufsbuden bestand einmal aus einer Kernmannschaft älterer, oft fahrdienstuntauglicher Mitarbeiter, aber auch, wie der Verfasser dieses Beitrags, aus angehenden Straßenbahn- und Busfahrern, die nach dem Tarifunterricht in den Vorverkaufsstellen arbeiteten, bis ein Platz in der Fahrschule frei wurde.
Text und Foto: Uwe Graef

