September 2019 – 80 Jahre Killesbergbahn

Guido Korff Buch des Monats, Uncategorized

Andreas Pucka
80 Jahre Killesbergbahn – Liliputbahnen in Stuttgart

Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB), Stuttgart 2019
124 Seiten, Format A4 (21 x 29,7 cm), broschiert, ca. 220 Abbildungen;
ISBN 978-3-9811082-8-6

In der Bücherstraßenbahn erhältlich für 19,00 €

Wir haben an dieser Stelle immer wieder mal Bücher vorgestellt, die nicht dem “üblichen” Straßenbahnbuch entsprachen. Folglich gibt es auch für den Titel dieses Monats einige gute Gründe:
(1) Die besprochene Liliputbahn wird seit 2011 von der Stuttgarter Straßenbahnen AG betrieben (ähnlich wie die Gruga-Bahn in Essen, die lange Jahre unter den Fittichen der EVAG ihre Runden drehte).
(2) Die Kinderstraßenbahn am Personalerholungsheim der SSB wird ebenfalls behandelt.
(3) Die SSB geben seit Jahren Bücher über alle ihre Verkehrsmittel heraus, die sich durch eine liebevolle Gestaltung auszeichnen. Auch das sollte hier einmal gewürdigt werden!

Das Buch greift über das Titelthema weit hinaus und beginnt mit den Vorläufern der Liliputbahnen, die in England allen Ernstes als Platz- und kostensparende Alternative zu größeren Varianten propagiert wurden. Die 1927 eröffnete Strecke in der Grafschaft Kent sorgte auch für die aus deutscher Sicht “krumme” Spurweite von 381 mm, die 15 Zoll entspricht.

Die Münchner Lokfabrik Krauss (noch ohne “Maffei”) sah hier eine Geschäftsgelegenheit. Ab 1925 produzierte sie eine kleine Serie bulliger Dampfloks, die entfernt den Baureihen 01 bzw. 03 der Reichbahn ähnelten. Geliefert wurden sie an die Firma Erich Brangsch in Leipzig, die verschiedene geplante, große Gartenausstellungen (wie z. B. die GESOLEI in Düsseldorf 1926 – betrieben von der Rheinbahn!) leihweise mit ihren Bahnen bestücken wollte. Krauss versprach sich davon eine große Werbewirkung.

Der erste Auftritt in Stuttgart zur Reichsgartenschau 1939 wurde unter Geheimhaltung der örtlichen Organisatoren vorbereitet, weil die verwendeten Schienen schon als “kriegswichtiges” Material galten. Die Bahn verkehrte wegen ihrer großen Beliebtheit in der Bevölkerung bis 1943, danach verliert sich die Spur der Loks.

Nach dem Krieg bezog Stuttgart 1950 von Krauss-Maffei zwei Nachbauten, die als “Springerle” und “Tazzelwurm” heute noch im Einsatz stehen. Aber auch die erste Baureihe ist am Killesberg präsent: Vor einigen Jahren konnte die “Santa Maria”, gebaut 1928 für die Weltausstellung in Sevilla, nach Stuttgart geholt und 2016 restauriert wieder in Betreib genommen werden.

Ein fachkundiger Text, der kaum Fragen offen lässt, sehr viele Abbildungen, darunter auch teilweise farbige Fotos und Illustrationen aus der Vorkriegszeit, machen die Lektüre dieses Buchs zu einem Vergnügen. Dabei kommen auch andere Stuttgarter “Park”-Verkehrsmittel wie der seinerzeitige Sessellift auf dem Killesberg oder das Gastspiel der Escher-Bahn mit ihren Porsche-Loks für die Bundesgartenschau 1977 in den Unteren Anlagen in der Nähe des Hbf. nicht zu kurz.

Fazit: Technik und viel “Zeitgeist” zu einem sehr günstigen Preis!

-gk-