September 2018 – Von 1 bis Z

Guido Korff Buch des Monats

Sven Binder / Klaus Giesen / Wolfgang Nyga
Von 1 bis Z
Die Liniengeschichte der Straßenbahnen in Essen

Eigenverlag, Essen 2018
200 Seiten, Format 21,5 x 28,5 cm, Hardcover, gebunden, zahlreiche S/W- und Farbabbildungen sowie Netzpläne;
ISBN: keine

Im BMB-Vertrieb erhältlich für 35,- €

Die Essener Verkehrs-AG (EVAG) ist einer der Straßenbahnbetriebe, über die bisher noch keine umfassende Gesamtdarstellung erschienen ist. Immerhin gab es aber von Hans Ahlbrecht und Klaus Giesen 1992 schon einmal eine detaillierte Wagenparkgeschichte, die bei den Fans der Essener Straßenbahn zum Pflichtbestand in der Fachbibliothek gehört.

Als perfekte Ergänzung dazu erscheint jetzt eine Linienchronik, die zu allen je eingesetzten Linienkennzeichen die zugehörigen Laufwege und die Dauer Ihrer Anwendung darstellt.

Zwei zu ihrer Zeit umfassend angewendete Systematiken haben zu einer großen Anzahl unterschiedlicher Liniennummern geführt. Beide lassen sich darauf zurückführen, dass die EVAG ihren Kunden für jede Linie gern leicht merkbare Taktfrequenzen (z. B. „alle 20 Minuten“) anbieten wollte, die über den ganzen Tag gleich bleiben. Verstärkungslinien für den Berufsverkehr, Kurzläufer und alternative Linienendpunkte erhielten deshalb jeweils eigene Nummern, die entweder frei gewählt oder in Zehnersprüngen zu Linienbündeln (z. B. 5 / 15 / 25 / 35) zusammengefasst wurden.

Noch „einen draufgesetzt“ haben später die Integration der Verkehrsgebiete zum Start des Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) im Jahre 1980, die in Essen eine Erhöhung aller Nummern um 100 mit sich brachten, sowie die etwa gleichzeitig beginnenden Umstellungen auf Stadtbahnbetrieb, die die neue führende „1“ häufig schon rasch in ein „U“ umwandelten.

Wie in früheren Publikationen beschränken die Autoren ihre Sicht nicht auf einen einzelnen Verkehrsbetrieb. Im Ruhrgebiet hatte die späte Bildung größerer Städte zahlreiche kleinere Straßenbahnbetriebe entstehen lassen, die auch nach der Konsolidierung der kommunalen Strukturen noch die Grenzen zu benachbarten Städten überschritten. Die eigenständigen Linien der Bogestra im Raum Kray und die Strecken der Bergischen Kleinbahnen AG von Wuppertal nach Werden und Steele finden also in ergänzenden Kapiteln ebenfalls Berücksichtigung. Die zahlreichen Gemeinschaftslinien mit den Mülheimer, Oberhausener und Vestischen Straßenbahnen sowie der Bogestra zählen dagegen ohnehin zum Hauptteil des Buches.

Ein „Highlight“ des Buchs aus Sicht ihres Rezensenten sind die Streckenkarten, die für verschiedene Zeitpunkte sehr gut nachvollziehbar, die jeweils gültigen Liniennetze darstellen. Dabei liegt allen Skizzen das Netz in seiner maximalen Ausdehnung zugrunde; die zum Stichtag befahrenen Strecken sind darauf farbig hervorgehoben und mit den aktuellen Nummern markiert. Dadurch kann der Leser den jeweiligen Ausbaustand des Netzes sehr einfach einordnen und auch unterschiedliche Bezeichnungen von Knotenpunkten und Endstationen nachvollziehen.

Nicht zu vergessen: Der Wunsch, alle Liniennummern und auch -verläufe zu bebildern, hat zahlreiche bisher nicht bekannte Fotos zutage gefördert, die die Tabellen immer wieder auflockern. Dabei reicht die Spanne von den Anfangsjahren bis zu den neuesten Niederflurwagen.

Fazit: Für jeden Fan der Essener EVAG ein „Muss“ im Bücherschrank !

-gk-