November 2018 – DÜWAG-Großraumwagen in Essen und an Rhein & Ruhr

Guido Korff Buch des Monats

Prof. Hans Ahlbrecht / Martin Ruhnau / Ulrich von Stockhausen
DÜWAG-Großraumwagen in Essen und an Rhein & Ruhr

Verkehrshistorische Arbeitsgemeinschaft EVAG e. V, Essen, 2018
164 Seiten, Format 17 x 24 cm, broschiert, zahlreiche s/w und farbige Abbildungen sowie technische Illustrationen;
ISBN: keine

Im BMB-Vertrieb erhältlich für 6,50 €

Normalerweise besprechen wir in dieser Rubrik keine Zeitschriften, aber die 37. Ausgabe der „Sternfahrt“ der VHAG EVAG kann auch gut als ausgewachsenes Buch durchgehen. Dies umso mehr, weil sie sich ausführlich einem einzigen Thema widmet: Den DÜWAG-Großraumwagen an Rhein und Ruhr.

Abgedeckt werden neben den „zentralen“ Betrieben im Fokus der Autoren (Essen / Mülheim / Bochum) auch die anderen Straßenbahnen der Region, wobei sich der Bogen von Mönchengladbach / Krefeld über die Vestischen Straßenbahnen bis Hagen spannt.

Wer das Standardwerk von Meschede/Reuther/Schöber zu den “Großraumwagen” aller Hersteller schon besitzt, findet in der „Sternfahrt“ 37 die perfekte Ergänzung, denn die dort naturgemäß knappen Steckbriefe finden hier ihre Fortsetzung in der detaillierten Beschreibung der zahlreichen Experimente, Umbauten und „Irrwege“ in den einzelnen Betrieben, die die DÜWAG-Wagen mit ihren berühmten und bewährten technischen Lösungen erst zu einem internationalen Verkaufsschlager gemacht haben.

Wer das Standardwerk nicht besitzt, erfährt viel Neues über eine Wagengeneration, die die Betriebe an Rhein und Ruhr über viele Jahre geprägt hat. Insbesondere in Essen und Mülheim gehörten die Großraumwagen recht lange in großer Zahl zum Bestand, während z. B. die anderen Pioniere der Großraumwagen-Entwicklung – wie etwa Düsseldorf und Bochum – schon bald zum Gelenkwagen übergegangen sind.

Welche Rolle dabei die unterschiedlichen Einsatzkonzepte der Betriebe gespielt haben, stellen die Autoren ausführlich dar. So gehen sie auf die anfangs favorisierten Doppeltraktionen einmotoriger Wagen in Essen oder die leichten „Pony“-Motorwagen in Düsseldorf genauso ein wie auf die verschiedenen Beiwagen-Typen, die den vierachsigen Triebwagen „auf Strecke“ Gesellschaft leisteten.

Auch die Technik kommt nicht zu kurz und man wundert sich, wie viele verschiedene Motoren, Fahrschalter, Türanordnungen etc. zum Einsatz kamen und die scheinbar „einheitlichen“ Fahrzeuge in eine große Anzahl individueller Varianten untergliederten. Deshalb sei an dieser Stelle auch besonders die reichhalte Bebilderung hervorgehoben, die diese Vielfalt illustriert.

Dem “geretteten” Großraumzug aus Tw 1501 und Bw 2501 wird ein eigenes kleines Kapitel (10 Seiten) gewidmet, in dem das Schicksal der beiden Wagen nachgezwichnet wird. Ab 2021 soll der Zug wieder Fahrgäste befördern!

Ihrem Rezensenten hat vor allem der abschließende Beitrag von Hans Ahlbrecht zu den technischen Herausforderungen des DÜWAG-Tandem-Antriebs gefallen, der auch für Laien hervorragend verständlich ist und zugleich erkennen lässt, dass der Autor diese Entwicklung hautnah miterlebt hat.

Fazit: Diese Ausgabe der „Sternfahrt“ gehört in das Bücherregal jedes Tramfans, der sich für die Historie der Nahverkehrsbetriebe im mittleren Ruhrgebiet interessiert und/oder die Düwag-Großraumwagen zu seinen Favoriten unter den Straßenbahnwagen zählt.

Und ja: Der Preis ist kein Schreibfehler; das Heft kostet nicht € 20,- oder mehr, sondern wirklich nur € 6,50!

-gk-