März 2019 – Die Straßenbahn in Neunkirchen

Guido Korff Buch des Monats

Roland Priester / Stephan Lücke
Die Straßenbahn in Neunkirchen –
Unterwegs auf Deutschlands steilster Strecke

Sutton Verlag, 2019
120 Seiten, Format 17 x 24 cm, Hardcover, gebunden, ca. 160 Abbildungen;
ISBN 978-3-95400-989-3

Im BMB-Vertrieb erhältlich für 19,99 €


Seit einiger Zeit gehört der Sutton-Verlag zur GeraNova-Bruckmann-Gruppe und man merkt, dass an wichtigen Kritikpunkten an den früher oft lieblos zusammengeschusterten Bändchen massiv gearbeitet wurde. Der hier besprochene Band ist noch nicht perfekt, aber zumindest einen näheren Blick wert.

Es beginnt bei einem soliden Einband, der die nötige „Wertigkeit“ vermittelt. Gegenüber dieser Äußerlichkeit fällt jedoch noch viel positiver auf, dass jetzt auch die Bilder durchweg ordentlich gedruckt sind. Zudem werden die Seiten mit größeren Formaten besser gefüllt. Zumindest das Blättern macht also schon mal Lust auf mehr.

Die Straßenbahn von Neunkirchen gehörte zu den typischen Kleinbetrieben, die in Westdeutschland nur selten die frühen sechziger Jahre überlebt haben. Eine topografische Besonderheit hat die Betriebseinstellung um viele Jahre hinausgezögert: Im Zuge der Linie 2 lag in der Hüttenbergstraße die steilste Straßenbahnstrecke, die je fahrplanmäßig von einer Straßenbahn in Deutschland befahren wurde; mit 11,07 % schlug sie knapp die Remscheider Straßenbahn mit ihrer Route in der Alten Bismarckstraße (10,8 %).

Weitere Parallelen zur bergischen Werkzeugmetropole liegen im langen Überleben (bis 1978) einer relativ kurzen letzten Tramlinie (Linie 2 mit 5,4 km) und im Einsatz nicht ganz „gewöhnlicher“ Gelenkwagen. War es in Remscheid ein Westwaggon-Produkt, handelte es sich im Saarland um die normalspurige Variante des Stuttgarter Erfolgsmodells GT4, von der 1960 acht Exemplare mit Allachsantrieb beschafft wurden.

Wie zu erwarten war, wird die Geschichte bis zum Auftritt der GT4 eher knapp behandelt, jedoch findet auch die Episode des Trolleybus-Betriebs (1953 – 1964) Erwähnung in Wort und Bild. Eine ausführliche „Fotoreise“ über die Linie 2 in ihren letzten Jahren weiß jedoch – nicht zuletzt durch ihre zahlreichen Farbaufnahmen – zu gefallen.

Vermisst werden dagegen eine Wagenparkliste und ein aussagekräftiges Streckenschaubild. Letzteres wird durch eine stilisierte Grafik aus einem Fahrplan vertreten, während die wenigen eingesetzten Baureihen zumindest im Text kurz beschrieben werden. Da ist somit noch Raum für Verbesserungen.

Fazit: Für Interessenten des kleinen Betriebs lohnt sich ein prüfender Blick in das Buch, der Rezensent rät vom Kauf keineswegs ab.

-gk-