Januar 2021 – Tram-Tour Rhein

Guido Korff Buch des Monats

Axel Reuther
Tram-Tour Rhein

EK-Verlag, Freiburg 2019;
160 Seiten, Format 21 x 29 cm, Hardcover, gebunden, ca. 300 schwarzweiße Abbildungen;
ISBN 978-3-8446-6862-8

Im BMB-Vertrieb erhältlich für 39,80 €


Die Straßenbahnbetriebe an Rhein und Ruhr bildeten einmal das größte zusammenhängende Nahverkehrsnetz in Deutschland. Die „legendären“ Langstrecken-Reisen von Hemer nach Bad Honnef oder an die niederländische Grenze wurden oft in Gedanken durchgespielt, aber wohl kaum real ausgeführt. Außerdem wurde die lange Kette zwischen Ruhr und Rhein schon 1955 dauerhaft unterbrochen, als die Bahn Opladen – Ohligs ihren Betrieb einstellte.

Umso reizvoller also der Ansatz des Autors, eine solche Fahrt anhand der seinerzeitigen Fahrpläne nachzuvollziehen. Danach wäre es 1955 in zehn Stunden möglich gewesen, auf Straßenbahngleisen von Moers am Niederrhein nach Bonn-Mehlem zu gelangen. Der Rezensent sieht an dieser Stelle großzügig darüber hinweg, dass die noch weiter südlich liegende Endstelle in Bad Honnef nicht angesteuert wurde, die selten zu sehenden Fotos des Eigenbautriebwagens der Drachenfelsbahn trösten darüber hinweg!

Die technische Sicht auf die Fahrzeuge steht nicht im Vordergrund, sondern die städtischen oder auch ländlichen Szenerien, die durchquert werden. Diese sind sehr abwechslungsreich, etwa dann, wenn zwischen den „Metropolen“ Düsseldorf und Köln eine idyllische Rheinpartie nahe Monheim ins Bild kommt.

Sehr schöne Bildmotive in ausgezeichneter Wiedergabequalität machen für den Betrachter die frühen 50er-Jahre wieder lebendig. Fahrgäste in zeittypischer Kleidung lassen erkennen, dass das „Wirtschaftswunder“ gerade erst begonnen hat. Selbst die gezeigten Fahrplantabellen und Linienpläne transportieren das Flair ihrer Entstehungszeit.

Die Auswahl der Motive folgt nicht nur dem fiktiven Fahrweg, sondern unternimmt den einen oder anderen Abstecher zu Strecken oder Fahrzeugen, die auch ein damaliger Reisender nicht links liegen gelassen hätte. So sehen wir u. a. auch „Finchen“ in Köln, die Monheimer Bahn und die spätere Bonner Linie 3.

Der Text gibt jeweils einen kurzen Überblick zu den besuchten Betrieben und die ausführlichen Bildlegenden helfen, die Motive einzuordnen, deren Aufnahmeorte heute oft kaum noch nachzuvollziehen sind.

Ans Ende der Reise hat der Autor einige Kapitel gestellt, die den Streckenzusammenhang durchbrechen und thematisch gegliedert sind: Fahrscheine, Rheinbrücken, Knotenpunkte und Depots sind hier die Überschriften.

Fazit: Die fiktive Tram-Tour entlang des Rheins überzeugt durch gelungene Motivauswahl und hohe Druckqualität. Das Buch ist eine gute Investition, denn man wird es immer wieder mit Vergnügen durchblättern.

-gk-