Dezember 2018 – Plettenberger Kleinbahn

Guido Korff Buch des Monats

Wolf Dietrich Groote
Plettenberger Kleinbahn
Auf Schiene und Straße

VGB Verlagsgruppe Bahn, Fürstenfeldbruck / Klartext Verlagsgesellschaft, Essen 2018
Format 22,5 x 29,5 cm, gebunden, zahlreiche Abbildungen, Tabellen und Netzdiagramme;
ISBN 978-3-83751965-5

Im BMB-Vertrieb erhältlich für 49,95 €

Es hat seinen guten Grund, dass wir in so kurzer Zeit erneut einen Titel aus dem VGB-/Klartext-Verlag vorstellen. Dieses Buch ist für jeden Fan von Straßen- und Kleinbahnen eine Augenweide, großformatig wiedergegebene Bilder in überwiegend sehr guter Qualität machen die Lektüre zum Genuss!

Die meterspurige „Plettenberger Straßenbahn“, wie sie die längste Zeit hieß, hat zwar nicht den Sprung zur Elektrifizierung geschafft, doch sie verkehrte zumeist auf der Straße mit Zugmaschinen, die allgemein als „Dampf-Tramwayloks“ bekannt waren. Neben regem Güterverkehr gab es auch einige Personenzüge, die zuletzt sogar von einem Triebwagen unterstützt wurden. Insofern war die kleine Bahn im Sauerland eine echte „Straßenbahn“!

Dass der Betrieb bis 1962 durchgehalten hat, verdankt er seiner Konzentration auf die Zustellung von Regelspurwaggons auf Rollböcken bzw. später Rollwagen, die sehr wirtschaftlich abgewickelt werden konnte. Nur das – erhebliche – Stückgutaufkommen wurde in meterspurigen Fahrzeugen zugestellt und abgeholt. In der Phase des „Wirtschaftswunders“ hat die Stadt Plettenberg dann aber dem Lkw den Vorzug eingeräumt und die Stilllegung durchgesetzt.

In der Vergangenheit wurde der Plettenberger Betrieb schon mal als „Anhängsel“ der größeren Nachbarbahnen KAE und Iserlohner Kreisbahn portraitiert. Mit diesem Buch hat der Autor seine beiden vorhergehenden Publikationen von 1994 und 2002 jetzt aber noch einmal enorm erweitert und eine umfassende Monographie zur Plettenberger Bahn vorgelegt.

Die rd. 50 (!) Gleisanschlüsse, verteilt auf eine Streckenlänge von nur ca. 12 km, werden entlang des Streckenverlaufs beschrieben sowie mit Fotos und Kartenausschnitten belegt. Da bleiben nur wenige Streckenabschnitte ohne Bildbeleg.

Dies erstaunt umso mehr, weil sich viele deutsche Bahnfans mit ihren Kameras auf wenige Stellen (z. B. den Umschlagbahnhof Eiringhausen) konzentriert oder bei den Sonder- und Abschiedsfahrten bei den Fotohalten jeweils ähnliche Aufnahmen gemacht haben. Zahlreiche Motive kommen deshalb von ausländischen Fans, die schon kurz nach dem Krieg den Weg nach Plettenberg gefunden haben, sowie aus privaten Sammlungen.

Neben der Strecke und den Schienenfahrzeugen kommen diesmal außerdem die “Nachfolger” zu ihrem Recht: Die ausführliche Darstellung des Busbetriebs bis zum Übergang in die märkische Verkehrsgesellschaft wird durch ein Kapitel ergänzt, dass die Versuche der Bahngesellschaft dokumentiert, ihre weggefallene Geschäftsgrundlage im Güterverkehr durch den Einsatz von Straßenrollern zu retten – letztlich leider aussichtslos!

Fazit: Der Plettenberger Betrieb ist mit dieser Publikation sozusagen umfassend und abschließend dokumentiert. Das Buch kann deshalb uneingeschränkt empfohlen werden – es ist seinen hohen Preis unbedingt wert!
-gk-

PS: Die Verwendung der Bilder eines Wuppertaler Fotografen ist von den jetzigen Rechteinhabern unter Hinweis auf „eine eigene geplante Publikation“ abgelehnt worden. Ihr Rezensent findet solches “Konkurrenzdenken” bedauerlich und hegt wenig Hoffnung, dass diese Motive nach dem vorliegenden Buch noch den Weg in die Öffentlichkeit finden werden – schade drum!
-gk-