Oktober 2017 – Straßenbahnen im Altkreis Moers

Guido Korff Buch des Monats

Stephan Lücke
Straßenbahnen im Altkreis Moers –
Geschichte – Strecken – Fahrzeuge

Sutton Verlag, 2017
120 Seiten, Format 17 x 24 cm, Hardcover, gebunden, ca. 120 Abbildungen, 1 Streckendiagramm;
ISBN 978-3-95400-850-6

Im BMB-Vertrieb erhältlich für 20,- €

Fehlen schon über die großen Straßenbahnbetriebe an Rhein und Ruhr teilweise die ausführlichen Monographien, so gilt dies für die kleineren Betriebe der Region erst recht. Obwohl sie zwischen den „großen“ Netzen oft eine wichtige Verknüpfung hergestellt haben, sind sie den meisten Autoren kaum mehr als eine Randnotiz wert.

Umso erfreulicher, dass sich Stephan Lücke der drei kleinen Bahnbetriebe angenommen hat, die die Orte des Altkreises Moers untereinander verbanden, aber auch Fahrgelegenheiten nach (Duisburg-)Ruhrort, Krefeld und Düsseldorf boten.

Aus einer Dampfbahnstrecke von 1883 ging die „Straßenbahn Moers – Homberg“ hervor, die 1908 den elektrischen Betrieb auf der gleichen Trasse eröffnete. Die Meterspur wurde gewählt, um nach dem Bau einer Rheinbrücke über die ebenfalls meterspurige Kreis Ruhrorter Straßenbahn in den Duisburger Norden weiterfahren zu können. Am anderen Streckenende schloss später (1920) die Krefelder Linie 12 an. Die „Straßenbahn Homberg“ verkehrte ab 1909 zwischen Friemersheim und Baerl – ebenfalls auf Meterspur.

Davon abweichend wurde bis 1914 die „Straßenbahn Moers – Kamp – Rheinberg“ normalspurig eingerichtet und hatte am Steintor in Moers eine Gleisverbindung zur Düsseldorfer Überlandlinie C, später M, die schon 1911 diesen Punkt erreicht hatte.

Mitte der 20er Jahre wurden die drei genannten Betriebe im Kreisgebiet unter einem Dach zusammengefasst. Anfang der 50er Jahre wurden sie dann schrittweise durch einen Obus-Betrieb abgelöst, der aber bekanntlich auch schon seit knapp fünf Jahrzehnten Geschichte ist.

Auf den ersten Blick macht das Buch mit seinem festen Einband und dem verwendeten Papier einen wertigen Eindruck. Positiv auch die verbesserte Bildqualität und die größere Wiedergabe einiger Motive – teilweise sogar doppelseitig.

Geblieben sind dafür aber andere typische Mängel der Sutton-Bände. Die zu geringe Bildanzahl wird mit viel weißem Freiraum bezahlt. Zahlreiche Motive zeigen darüber hinaus nur Gleise, aber keine Bahnen. Die Bildlegenden, die den Freiraum füllen sollen, wiederholen teilweise den Haupttext und sogar andere Bildtexte. So werden die beiden statistischen Fahrgastzahlen aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts sogar vier Mal zitiert.

Man kann dem Autor nachsehen, dass er nicht immer die „in der Szene“ üblichen Fachbegriffe benutzt, denn er wendet sich mit seinem Buch ja vor allem an die Bewohner der behandelten Region, die keine Straßenbahn-Fans sind. Die zahlreichen fachlichen Fehler und Ungenauigkeiten stoßen jedoch unangenehm auf; so ist z. B. die Rheinbahn-Linie M keineswegs durch Obusse ersetzt worden, wie auf Seite 64 zu lesen ist.

Insgesamt gewinnt Ihr Rezensent den Eindruck, dass der Autor sein Werk auf einer recht dünnen Faktengrundlage aufgebaut hat. Gerade bei den Bildlegenden wurde dadurch die Chance verschenkt, den Freiraum zu nutzen und dem Leser zusätzliche Informationen über den Haupttext hinaus zu vermitteln.

Fazit: ein Buch, das in der Bibliothek eine regionale Lücke schließt, aber qualitativ nur bedingt überzeugt.
stellt.

-gk-