Mai 2017 – Durch Tunnel & über Viadukte

Guido Korff Buch des Monats

Reiner Rhefus
Durch Tunnel & über Viadukte –

Industriekultur entlang der Nordbahntrasse, dem Panoramaweg auf der ehemaligen Rheinischen Strecke in Wuppertal

Hrsg. Netzwerk Industriekultur Bergisches Land e. V., Wuppertal 2017; 140 Seiten, Format 14,7 x 21 cm, broschiert, zahlreiche historische und farbige Abbildungen; diverse Streckendiagramme; ISBN 978-3-9816981-2-1

Im BMB-Vertrieb erhältlich für 3,- €

In dieser Publikation steht einmal nicht die Straßenbahn im Vordergrund, sondern die ehemalige „Rheinische Bahn“ im Wuppertaler Norden. Immerhin ist aber sogar der eine oder andere Wagen der Straßenbahn abgebildet, die an mehreren Stellen diesen Verkehrsweg unterquert hat.

Als „Nordbahntrasse“ dient der frühere Gleiskörper heute als Rad- und Wanderweg durch eine sehr abwechslungsreiche Stadtlandschaft. Gedacht als eine Art „Reiseführer“, beschreibt das Büchlein die vielen bemerkenswerten Orte, die der Radler oder Wanderer unterwegs passiert.

Der Schwerpunkt liegt dabei auf den zahlreichen Industriebetrieben, die Wuppertal – genauer: Elberfeld und Barmen – einmal zu den wohlhabendsten Städten in Deutschland gemacht haben. Im dicht besiedelten Stadtgebiet sind nur noch die wenigsten Fabriken in Betrieb; in den markanten Gebäuden gedeihen jetzt jedoch häufig Gründerzentren und andere Einrichtungen, die den Erhalt der sehenswerten Architektur ermöglichen.

Von der Schwebebahn in Vohwinkel erstreckt sich die Nordbahntrasse über 23 Km bis zum Tunnel vor Schee, insgesamt 50 reizvolle Orte werden am Rande des Weges auf Tafeln vorgestellt und sind in das Büchlein aufgenommen worden.

Radfahrer können an beiden Enden nahtlos auf weiterführende Trassenradwege übergehen. Für Fußgänger bietet insbesondere der Bereich zwischen Ottenbruch und Wichlinghausen einen kompakten Einblick in das einst rege kleinteilige Wirtschaftsleben Wuppertals, kombiniert mit teilweise grandiosen Überblicken und Ausblicken auf die vielfältige Dachlandschaft.

Obwohl ausdrücklich sogar zwei Lektoren genannt werden, lassen sich zahlreiche kleinere Fehler zwar nicht übersehen (Beispiel: 1974 fuhr in Wuppertal schon keine meterspurige Straßenbahn mehr), lassen sich jedoch bei dem sehr günstigen Preis problemlos verschmerzen.

Fazit:

ein Buch für jeden Wuppertal-Fan, der Verkehrshistorie nicht mit einem „Tunnelblick“ betrachtet, sondern auch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Aufstieg und Verfall der Transportadern – hier der „Rheinischen Bahn“ – kennenlernen möchte.
-gk-