November 2017 – Die Straßenbahn kommt

Guido Korff Buch des Monats

Gerd Müller – Jürgen Schraudtner – Wolfgang Wußmann
Die Straßenbahn kommt –
Die Geschichte der Bamberger Tram von 1897 bis 1922

Heinrichs-Verlag, Bamberg 2017; 120 Seiten, Format 21,3 x 24,5 cm, Hardcover, gebunden, ca. 180 Abbildungen; 2 Streckendiagramme; ISBN 978-3-89889-217-9

Im BMB-Vertrieb erhältlich für 19,90 €

Die Entwicklung der deutschen Straßenbahnbetriebe lässt sich aus heutiger Sicht in drei bis vier Hauptphasen einteilen, von denen die erste und zweite durch die Folgen der beiden Weltkriege geprägt sind. In beiden Fällen ging es am Ende darum, eine schlecht gepflegte und abgenutzte Infrastruktur für die folgenden Dekaden fit zu machen. Einigen Städten ist bei diesen Anstrengungen bereits zu Beginn der 1920er Jahre die Luft ausgegangen. So auch in Bamberg.
Die heute als Weltkulturerbe ausgezeichnete Stadt hatte in ihrer Struktur stets mit der Herausforderung zu kämpfen, dass der unzerstörte mittelalterliche Stadtkern enge Straßen und – durch seine Lage auf mehreren Regnitz-Inseln – zahlreiche Brücken aufweist; also: Keine guten Voraussetzungen für ein Straßenbahn-Netz!

Obwohl die Eisenbahn Bamberg schon sehr früh (1844) erreichte, macht sie doch einen weiten Bogen um das historische Zentrum. Eine Straßenbahnverbindung lag also durchaus nahe. Das ausführende Unternehmen Felix Singer & Co. wollte sich im Markt mit einem Musterbetrieb für seine Leistungen etablieren und baute viel zu groß, zugleich behielt die Stadt das lukrative Geschäft der Stromlieferungen für sich. Acht Kilometer Strecke und drei Linien waren nicht nur überdimensioniert für das kleine Bamberg; hinzu kam noch die Sparsamkeit der Bürger, die lieber zu Fuß zum Bahnhof gingen.

Eröffnet 1897, gab es schon 1906 die ersten Einschränkungen, als die einzige etwas steilere Strecke zum Kaulberg eingestellt wurde – angeblich, weil die 15 kleinen Motorwagen von MAN die Steigung nicht schafften. Eine weitere Strecke folgte zu Kriegsbeginn 1914. Im Jahre 1922 verlor die Betreiberfirma endgültig die Lust; sie war nicht bereit, in den abgewirtschafteten und unrentablen Betrieb weiter zu investieren. Am 10. Juni 1922 verkehrten die letzten Bahnen. Andere Geldgeber fanden sich nicht. Ihren 25. Geburtstag hat die Bahn also nicht mehr erlebt!

Bilder aus jener Zeit sind eher selten; die Autoren profitieren aber von zahlreichen Postkarten, die die Bahnen vor den historischen Bauten zeigen. Dem Text merkt man allerdings an, dass hier keine Straßenbahn-Experten, sondern eher engagierte Heimatkundler die Feder geführt haben. Entsprechend oft weichen sie von ihrem Thema ab und betten die Geschichte der Tram in ein breiteres Portrait der Stadt ein.

Immerhin erfahren wir dadurch auch von den Versuchen, die Tram durch kleine Elektrokarren zu ersetzen, und von einer kurzen elektrischen Normalspurstrecke, über die von 1911 bis in die 60er Jahre das Gaswerk mit Kohle versorgt wurde.

Das Buch ist handwerklich ansprechend produziert; die Bildqualität durchweg in Ordnung.

Fazit:

ein Buch, das in der Bibliothek eine regionale Lücke schließt, empfohlen für Liebhaber der mittelalterlichen Stadt.

-gk-